Wer war Moshé Feldenkrais?

Moshé Feldenkrais (1904 – 1984), Physiker, Naturwissenschaftler und einer der grossen Quer-Denker des 20. Jahrhunderts, liegt es an einer Überwindung des Denkens in Gegensätzen: Theorie-Praxis, Körper-Geist, westlich-östliche Tradition. Die Einheit von Geist und Körper, Psyche und Soma ist für Feldenkrais eine konkrete Realität. In den Denkmustern der Sprache sieht er das grösste Hindernis, integriert und integrierend zu Denken, zu Handeln und letztlich auch über seine Arbeit zu schreiben.

 

Moshé Feldenkrais kombiniert sein Wissen und seine Praxis der fernöstlichen Kampfkünste mit Kenntnissen der Physik, Mechanik, Anatomie und Verhaltenspsychologie. Er erforscht die Gesetzmässigkeiten, wie sich der Mensch im Schwerefeld bewegt und verknüpft diese mechanischen Gesetze mit der evolutionären Entwicklung. Er untersucht die Art und Weise, in der das Nervensystem die Arbeit der Muskeln und des Skeletts verschaltet und so die Voraussetzung entsteht, dass sich der Mensch der physikalischen, sozialen und kulturellen Umwelt anpassen kann.

 

Moshé Feldenkrais wird 1904 in der Ukraine geboren und wandert im Alter von vierzehn Jahren nach Palästina aus. In den folgenden Jahren lebt er in Tel Aviv, studiert, verdient als Arbeiter und Landvermesser sein Geld und ist begeisterter Sportler.

1928 beginnt er in Paris sein Studium der Physik, Mathematik, Maschinenbau und Elektrotechnik und absolviert an der Sorbonne mit dem Doktortitel für Naturwissenschaften.

 

1935 ist Feldenkrais leitender Assistent im Institut von Frédéric Joliot-Curie, der die künstliche Induktion von Radioaktivität entdeckte.

In seinen Pariser Jahren erlangt Feldenkrais als einer der ersten Europäer bei Jigoro Kano (späterer Bildungsminister von Japan) einen Schwarzen Gürtel, gründet den Jodo-Club von Paris und schreibt zwei Bücher über Judo.

Auf der Flucht vor den Nazis emigriert Feldenkrais 1940 nach England mit Unterlagen Joliot-Curies über die Forschungen an der Kernspaltung.

Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet er für die Britische Admiralität im Bereich der U-Boot-Ortung.

In dieser Zeit, und als ihn auch eine alte Knieverletzung wieder behindert, interessiert er sich zusehends für die menschliche Entwicklung. Er findet dabei Wege, grundlegende Prozesse wieder zu entdecken und zu optimieren, wie Kinder lernen, sich zu bewegen. Für ihn steht fest, dass die Bewusstheit darüber, wie man etwas tut, die Lösung für ökonomisches, leichtes Lernen ist.

Er lernt ohne Operation wieder zu gehen und entwickelt seine beiden Vorgehensweisen des Unterrichtens – zunächst „Funktionale Integration“, einer Einzelarbeit: dabei geht er ohne zu sprechen, nur mit Berührung und Bewegung vor.

Später macht er seine Forschungserkenntnisse daraus einem breiteren Publikum zugänglich mittels gesprochener und geschriebener Anweisungen, in der Gruppenarbeit „Bewusstheit durch Bewegung“.

 

1950 kehrt Feldenkrais nach Tel Aviv zurück und arbeitet als Direktor der Abteilung Elektronik für die Israelischen Armee. Der damalige Premierminister David Ben Gurion profitiert von Privatstunden mit Moshé Feldenkrais.

 

In den folgenden Jahren widmet er sich ganz der Erforschung menschlichen Lernens. Er lässt sich beeindrucken von der Philosophie der Selbstverbesserung von Emil Coue´ und Gurdieffs Philosophie zur Selbstbewusstheit von Körper und Geist als lebenslangen Lernprozess. Er bezieht in sein Forschungen die Theorie der Neurophysiologie, insbesondere die von Alexander Luria ein, die Evolutions-Theorie Charles Darwins, die Verhaltensforschung Konrad Lorenz‘ und die Entwicklungspsychologie Jean Piagets.
Er kennt die Forschungsergebnisse der Biomechanik und Bewegungswissenschaften von Nicolai Berstein und die Ansätze, die seinen verwandt waren von: Matthias Alexander, Elsa Gindler und Heinrich Jakobi (später Charlotte Selvers – Sensory Awareness). Er greift Gedanken der Systemtheorie Gregory Batsons und der Kybernetik Heinz von Försters, sowie die Metapher des Gehirns als Hologramm von Carl Pribram auf, weil sie seinen eigenen Forschungsergebnissen entsprachen.
Vor allem aber hat Feldenkrais die Bedeutung der Schwerkraft für Verhalten und die Gestaltung von Lernprozessen untersucht.

 

1968 bildet er die erste Gruppe seiner Schüler in Tel Aviv aus. Zwei weitere Ausbildungen in den USA folgen (San Fransisco, Amherst).

Mitte der 70er Jahre erlangt Feldenkrais internationale Anerkennung.

1981 erleidet er einen Hirnschlag und stirbt 1984 in Tel Aviv.

 

Quelle: Feldenkrais-Verband Deutschland e.V.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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